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Das Singen von Weihnachtsliedern gehört zu den schönsten polnischen Weihnachtsbräuchen. Die stimmungsvollen Lieder werden zwischen Weihnachten und Anfang Februar hauptsächlich in den Kirchen gesungen. Ursprünglich sang man sie aber vor allem in den Familien zu Hause, wo sie von Generation zu Generation weitergegeben werden.



Im Polnischen heißt das Weihnachtslied „koleda“ und kommt vom Lateinischen „calendae“, was den ersten Tag im Monat bezeichnet. „Koleda“ war ursprünglich ein Lied, das gesungen wurde, wenn man sich n den ersten Tagen des Neuen Jahres besuchte. Der Text dieses Liedes enthielt Glücks- und Erfolgswünsche. Mit der Zeit nahmen die Weihnachtslieder einen eher religiösen Charakter an, und besangen die Geburt Christi. Als das älteste polnische Weihnachtslied gilt der aus dem Tschechischen übersetze Text „Zdraw badz Krolu Niebieski“ (Sei gesund Himmlischer König) aus dem Jahre 1424. Die meisten polnischen Weihnachtslieder sind Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden. Aus dieser Zeit stammen u.a. „Gdy sliczna Panna Syna kolysala...” (Wenn die schöne Jungfrau…) „Jesus malusienki...” (Der winzige Jesus…)

In der polnischen Tradition gibt es außer den Weihnachtsliedern mit ihrem sakralen Charakter sog. „Pastoralki“ – Hirtenlieder. Es sind Volkslieder, die ebenfalls über die Geburt Christi handeln, sie enthalten aber oft Elemente der Mundarten und der polnischen Folklore.



In der Zeit vom zweiten Weihnachtstag bis zum Dreikönigstag gab es in Polen, insbesondere auf dem Land, den Brauch, dass kleine Gruppen - meistens Kinder - von Haus zu Haus zogen, um dort Hirtenlieder zu singen und kleine, lustige Szenen aufzuführen. Dabei erbaten sie kleine Gabe oder eine Mahlzeit. Man glaubte, dass diese singenden Gruppen – „Kolednicy“ – den Gastgebern Glück und gute Ernte bringen.

Immer wieder haben auch berühmte Dichter und Komponisten Weihnachtslieder geschrieben. So ist z.B. Piotr Skarga (1536-1612), ein Prediger und Rhetoriker, der Verfasser des Weihnachtsliedes „W zlobie lezy“ (In der Krippe liegt es). Die Melodie des Liedes knüpft an die Krönungspolonaise an, die für den König Wladyslaw den IV. komponiert worden ist. Und 1792 hat der Dichter und Dramatiker Franiciszek Karpinski das Weinachtslied „Piesn o narodzeniu panskim“ (Das Lied über die Geburt des Herrn) geschrieben, das heute unter dem Titel „Bog sie rodzi“ (Gott wird geboren) bekannt ist und als das Weihnachtslied schlechthin gilt. Es wurde zu verschiedenen Melodien gesungen, heutzutage vor allem im Rhythmus einer Polonaise.

In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr finden zahlreiche Weihnachtslieder-Konzerte statt. Vor einigen Jahren hat sich der Internationale Festival der Weihnachts- und Hirtenlieder etabliert, der in Bedzin stattfindet. An dem Festival, der die Tradition des Weihnachtsliedersingens aufrechterhält und verbreitet, nehmen jedes Jahr Tausende Solisten, Duos, Vokalensembles, Chöre etc. aus Polen, der Ukraine und Weißrussland teil. Die untere Altersgrenze der Teilnehmer liegt bei 6 Jahren, nach oben gibt es keine Altersbeschränkungen.

Wie jedes gemeinsame Singen und Musizieren, so auch das Singen von Weihnachts- und Hirtenliedern hat außer den religiösen, musikalischen und literarischen Aspekten auch einen – sagen wir – natürlichen therapeutischen Vorteil: Das gemeinsame Singen bringt die Menschen zusammen, und hilft, die Anspannungen des alltäglichen Lebens zu überwinden.


 
Polnische Folkloregruppe POLONEZ e.V. Darmstadt