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Die Polonaise (polnisch: Polonez) gehört zu den polnischen Nationaltänzen, was besagt, dass sie in ganz Polen und nicht nur regional getanzt wurde. Der Tanz entstand Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts und wurde auf den Groß- und Kleinadelhöfen als Ausdruck von Huldigung und Ehre dem König oder den Älteren gegenüber getanzt. In der Volksmusik wurde der Tanz je nach Region als Gehtanz, Langsamer, Großer, Gänse- oder Hopfentanz bezeichnet. Auf dem Land tanzte man die Polonaise hauptsächlich während der Hochzeitsfeier. Der Name Polonaise entstand ca. 1730, als der Tanz in den Ballsälen auf den europäischen Adelshöfen populär wurde und man ihn auf Französisch danse polonaise nannte, also polnischen Tanz.

Bezeichnend ist, dass die berühmtesten Polonaisen im Ausland komponiert worden sind, und zwar hauptsächlich in der Zeit, als Polen zwischen drei Teilungsmächten aufgeteilt war (1772-1918) und die Polen um die Unabhängigkeit ihres Staates kämpften. Dazu gehören die um 1794 entstandene Polonaise von Michal Kleofas Oginski "Pozegnanie Ojczyzny" (Abschied vom Vaterland) und nicht zuletzt die berühmteste Polonaise As-dur Op. 40 von Fryderyk Chopin von 1838.

Die Polonaise ist ein Gruppentanz von erhabenem Charakter. Der langegezogene, fließende Schritt wird durch eine stolze Haltung unterstrichen. Der Tanzschritt beginnt mit einer leichten Kniebeugung (plié) eines Beins, das zweite Bein wird dafür anschließend gestreckt, es folgen zwei Schritte nacheinander. Obwohl es ein eher langsamer Tanz ist, wird er durch abwechslungsreiche Figuren bereichert. Zu den bekanntesten zählen Viererreihe, Kreise, Serpentinen und Tunnel (Brücke).

Die Grundfigur ist ein Reigen: Die Tänzer stehen in Paaren hintereinander. Die Partnerin legt ihre linke Hand auf die rechte Hand des Partners, wobei die Arme etwas vorgestreckt und die Ellenbogen leicht gebogen sind. Die anderen Arme sind nach unten gestreckt. Die Partnerin kann mit der rechten Hand ihr Kleid leicht halten oder den Arm leicht strecken. Der Partner kann die linke Hand auf der Höhe der Hüfte oder am Hosenbein entlang halten. Die Haltung beider Partner sollte grade sein und der Kopf stolz erhoben. Während des ganzen Tanzes verbeugen sich die Partner sehr oft voreinander.

Die Tänzer tragen Ballkleidung; bei Bühnenauftritten Trachten, die der Epoche, der der Tanz entstammt, entsprechen, d.h. die Adelstracht oder Kleidung aus der Zeit der napoleonischen Kriege.



In der letzten Zeit ist die Polonaise wieder sehr populär geworden, nicht zuletzt dank der Verfilmung von "Pan Tadeusz": Das von dem romantischen polnischen Dichter Adam Mickiewicz verfasste polnische Nationalepos wurde von Andrzej Wajda auf die Leinwand gebracht. Die für den Film von Wojciech Kilar (gest. 2013) komponierte Polonaise wird durch das größte polnische Folkloreensemble „Mazowsze“ getanzt.

In Polen wird die Polonaise während des Abiturballs von den Abiturienten getanzt. Neuerdings tanzen diese nicht nur in der Schule, sondern ziehen auch auf Straßen und Plätze, wo sie zusammen mit Vertretern der Stadt die Polonaise tanzen. Für die Mehrheit der polnischen Jugendlichen bleibt es der erste und leider oft der einzige Kontakt mit dem polnischen Nationaltanz. Schade eigentlich, denn gerade die Polonaise wird wie kein anderer Tanz mit Polen und den Polen identifiziert. Es ist deshalb nicht verkehrt, sich mit ihrer Geschichte zu beschäftigen und sie auch bei anderen Gelegenheiten zu tanzen.


Krakowiak - Polnischer Nationaltanz
Krakowiak – einer der fünf polnischen Nationaltänze neben Polonaise, Mazur, Kujawiak und Oberek. Dieser durch und durch lebendige, sprungvolle Tanz entstammt der Volksmusik und wurde je nach der Tanzweise auch unterschiedlich genannt... weiter lesen

 
Polnische Folkloregruppe POLONEZ e.V. Darmstadt