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Krakowiak – einer der fünf polnischen Nationaltänze neben Polonaise (pol. Polonez), Mazur, Kujawiak und Oberek. Dieser durch und durch lebendige, sprungvolle Tanz entstammt der Volksmusik und wurde je nach der Tanzweise auch unterschiedlich genannt: Laufender, Schieber oder Schritttanz. Manchmal nannte man den Tanz auch nach dem Ort, in dem er getanzt wurde, z.B. Proszowic von Proszowice, Skalbmierzk, von Skalbmierz. Der Name „Krakowiak“ ist eigentlich erst nach der Aufführung der Oper „Krakowiacy i Gorale“ [Die Krakauer und die Bergleute], die Wojciech Boguslawski 1794 erstmals auf die Bühne brachte, populär geworden. Diese Oper hat eine sehr wichtige politische Rolle während des Aufstandes von Tadeusz Kosciuszko gegen die Teilungen Polens gespielt.

Der Bühnentanz unterscheidet sich in seiner Aufführung selbstverständlich von dem etwas weniger spektakulären, dafür aber an kurzen Liedern reichen Volkstanz. Ursprünglich wurde er nur durch Männer getanzt; heutzutage ist es ein Gruppentanz, der aus zwei Grundelementen besteht: Dem Galopp und einer ihm folgenden Figur, die durch die tanzenden Paare ausgeführt werden. Der Grundschritt – der Galopp – wird ausgeführt, indem das eine Bein seitlich gestellt wird, das zweite wird zu dem ersten mit gleichzeitigem Sprung geführt. Dieser Schritt ermöglicht den Übergang zur nächsten Figur, z.B. wenn sich das tanzende Paar mit gekreuzten und ausgestreckten Händen um die eigene Achse im Grundschritt dreht. Eine andere charakteristische Figur von Krakowiak ist „Holubiec“, d.h. ein Sprung mit einer zur Seite hochgestreckten Hand und gleichzeitigem Zusammenführen der Beine in der Luft; eine weitere Figur heißt „Porebianska“: der Partner und die Partnerin stehen sich gegenüber, entweder geht der Mann zurück und die Frau versucht ihn zu bedrängen oder umgekehrt. Die Tanzdynamik wird durch zahlreiche Verbeugungen, Ausholgesten, Sprünge und Stampfschritte betont. Der Krakowiak wird im schnellen Tempo und im 2/4-Takt getanzt.

Charakteristisch für die Krakowiak-Melodie ist die Synkope, die durch die Übertragung der Betonung von einem Teil des Taktes auf einen anderen den Eindruck der Beschleunigung des Taktes hervorruft. Um die Synkope zu spielen, reicht es nicht aus, die Noten lesen zu können - um den Krakauer richtig spielen zu können, braucht man auch das Gefühl dafür

Die meistbekannte polnische Volkstracht, die in der Welt zum Symbol der Polen wurde, ist die Tracht der Westkrakauer aus der Gegend um Bronowice. Wie alle anderen hat sich auch diese Tracht im Laufe der Jahrhunderte gewandelt und besitzt mehrere lokale Varianten. Das charakteristischste Element der Frauentracht ist ein weißes, besticktes Hemd mit weiten Ärmeln, eine weiße, bestickte Schürze, ein geblümter, mit bunten schmalen Bändern verzierter Rock, hohe schwarze oder rote Schnürstiefel, eine Samtweste, reich mit bunten Perlen und Plättchen bestickt, und als Kopfschmuck ein Kranz aus bunten Blumen.



Die männliche Tracht besteht aus einem weißen ebenfalls bestickten Hemd, einer rot-weiß gestreiften Hose, einem schwarzen, wollenen Schoßrock, der mit Messingnägeln und roten Quasten verziert ist, über welchem wiederum ein breiter Gürtel mit Messingringen und ebenfalls einer Schnalle aus Messing getragen wird. Heutzutage wird die Tracht durch eine rote viereckige Mütze (rogatywka) ergänzt, die mit einem schwarzen Schaffell umrandet und mit langen Pfauenfedern, die am unteren Ende mit roten oder bunten Bändern zu einem Bündel verbunden sind, verziert ist. Eine andere Kopfbedeckung waren wollene, meist weiße Mützen – sog. Magierki.

In Polen begleitet uns der Krakauer-Tanz fast bereits vom Kindergarten an, wenn wir in der Rhythmik-Stunde erfahren, dass „Die Weichsel durch das Polenland fließt, und solange sie fließt, so lange wird Polen nicht untergehen“, und das alles im Krakowiak-Rhythmus. Werke mit Elementen des Krakowiak schufen auch berühmte polnische Komponisten wie Chopin, Moniuszko und Paderewski, den charakteristischen synkopischen Rhythmus finden wir in einigen polnischen Weihnachtsliedern wieder. Auch polnische Schriftsteller haben diesen Tanz beschrieben, etwa Stanislaw Wyspianski und der eingangs zitierte Wladyslaw Reymont.


 
Polnische Folkloregruppe POLONEZ e.V. Darmstadt